Thrombozyten-Aggregation

Abnahmevorschrift Analytikzeiten: Montag - Freitag, 7:00-13:00, telefonische Anmeldung (458 2570) erforderlich!

Präanalytik:
- 24 h vor der Blutabnahme sportliche Betätigung meiden,
- auf Alkohol und stark fetthaltige Mahlzeiten verzichten,

Blutabnahme:
- unter stressfreien Bedingungen am liegenden Patienten
- Nutzung einer großlumigen (19 - 21 G) Kanüle
- Staudruck zur Venenpunktion zwischen dem systolischen und diastolischen Druck
- Stauung nicht länger als 1 Minute
- während der Entnahme Stauschlauch öffnen
- nicht als erste Abnahme nach der Venenpunktion, ggf. 1. Portion (verwerfen)
- Abnahmegefäß unbedingt bis zum Indikator füllen!
(Mischungsverhältnis 1 Volumenteil Citrat und 9 Volumenteile Venenblut muss eingehalten werden!)
- Vermischung des Blutes mit dem Citrat durch mehrmaliges ruhiges Überkopfschwenken - keinesfalls Schütteln!
- keine Blutentnahme aus heparinisierten Zugängen (ZVK, Port)

Medikamente mit Wirkung auf die Thrombozytenfunktion:
- müssen mindestens 7 Tage vor der Untersuchung abgesetzt werden.

Stör- und Einflussgrößen, die Analytik verhindern:
- Proben mit Gerinnselbildung
- Hämolyse, Ikterus Lipämie
- Thrombozytenkonzentration im plättchenreichen Plasma <100 GPt/L

CAVE:
- Transport muss ungekühlt / überhitzungssicher innerhalb von 1 Stunde nach der Blutabnahme erfolgen
- kein Transport mit Rohrpostsystem
- Messung frühestens 30 Minuten und spätestens 3 Stunden nach Blutabnahme

voraussichtliche Bearbeitungszeit (ab Laboreingang):
- tagesgleich
Klinische Hinweise Indikation - Kollagen:
Abklärung von angeborenen oder erworbenen Thrombozytenfunktionsstörungen
Indikation - ADP:
Abklärung von angeborenen oder erworbenen Thrombozytenfunktionsstörungen, Nachweis der Wirkung einer ADP-Rezeptor-Inhibition
Indikation - Arachidonsäure:
Abklärung von angeborenen oder erworbenen Thrombozytenfunktionsstörungen, Nachweis einer ASS-Wirkung
Indikation - Ristocetin:
Differentialdiagnose von Thrombozytopathien, Diagnostik der von Willebrand-Erkrankung Typ 2B

Interpretation - Kollagen:
Die gewählte Induktorkonzentration löst eine irreversible Aggregation aus. Ein vermindertes Maximum weist auf eine gestörte Aggregierbarkeit durch Kollagen hin, eine Desaggregation (Angabe ab 10%) zeigt an, dass das gebildete Aggregat nicht stabil ist.
Interpretation - ADP:
Die Induktorkonzentration 5µM löst eine monophasische irreversible Aggregation aus. Ein biphasischer Verlauf zeigt eine verzögerte 2. Welle (endogene ADP-Freisetzung aus den Granula) an. Ein vermindertes Maximum weist auf eine gestörte Aggregierbarkeit durch ADP hin, eine Desaggregation (Angabe ab 10%) zeigt an, dass das gebildete Aggregat nicht stabil ist.
Bei einer Induktorkonzentration 2,5µM verläuft die Aggregationswelle regelrecht biphasisch und erlaubt die Beurteilung der 2. endogenen Welle.
Eine gestörte Aggregation sollte auf Reproduzierbarkeit unter Ausschluss einer Medikation mit Wirkung auf die Thrombozytenfunktion geprüft werden. Weiterführende Untersuchungen sind die Testung der ADP Freisetzung und die Funktion des ADP-Rezeptors durch Aktivierung des IIb/IIIa Rezeptors.
Interpretation - Arachidonsäure:
Die gewählte Induktorkonzentration löst eine irreversible Aggregation aus. Ein vermindertes Maximum weist auf eine gestörte Aggregierbarkeit durch Arachidonsäure hin, eine Desaggregation (Angabe ab 10%) zeigt an, dass das gebildete Aggregat nicht stabil ist.
Interpretation - Ristocetin:
Das Antibiotikum Ristocetin löst bei einer Induktorkonzentration von 1,5 mg/ml und regelrechter Interaktion zwischen dem GPIb-Rezeptors der Thrombozyten und dem von Willebrand-Faktor eine Agglutination aus, die ohne aktive Signaltransduktions- bzw. Freisetzungsvorgänge der Thrombozyten selbst abläuft.
Bei einer verminderten oder fehlenden Agglutination in Verbindung mit entsprechender klinischen Symptomatik muss der Befund durch die Analytik des GPIb-Rezeptors und die von Willebrand-Multimerenanalytik weiter abgeklärt werden.
Bei Einsatz einer Low dose Ristocetin-Konzentration (0,5 mg/ml) deutet eine gesteigerte Agglutinationsreaktion auf eine von Willebrand-Erkrankung Typ 2B hin.

Typische Befund-Konstellationen:
- Thrombasthenie Glanzmann: verminderte bis stark verminderte Aggregation mit APD, Kollagen und Arachidonsäure, regelrechte Reaktion unter Ristocetin-Stimulation
- Bernard-Soulier-Syndrom: regelrechte Aggregation mit APD, Kollagen und Arachidonsäure, verminderte Agglutination mit Ristocetin
- eine Medikation mit ASS vermindert in erster Linie die Aggregation mit Arachidonsäure
- eine APD-Rezeptor-Inhibition vermindert ausschließlich die Aggregation mit ADP
Material Citrat-Blut
Probengefäß Citrat-Monovette
Probenvolumen 1.5 ml
letzte Änderung 18.03.2026 16:36