DPD-Aktivitätsscore gemäß DGHO Positionspapier

Abnahmevorschrift Abnahme-/Transportbedingungen:
- keine besonderen Anforderungen
- Analytik kann aus allen ungeronnenen Blutproben (bspw. EDTA oder Citrat-Blut) erfolgen
- Unbedingt die Einwilligungserklärung lt. Gendiagnostikgesetz (GenDG) mit einsenden! Die Einwilligungserklärung muss vom Patienten oder dem gesetzlichen Vertreter und dem aufklärenden Arzt/Ärztin unterschrieben (inkl. Stempel bzw. Namen in Druckbuchstaben) sein, sonst darf eine Analytik nicht erfolgen!

Einflussgrößen:
- keine

Störgrößen:
- Nach Knochenmarkstransplantation können die aus peripheren Leukozyten gewonnenen Ergebnisse aufgrund der Chimärenbildung (gleichzeitiges Vorhandensein von eigenen empfängerspezifischen und fremden spenderspezifischen hämatopoetischer Zellen in unterschiedlichen Verhältnissen in der Blutabnahme) irreführend sein!

voraussichtliche Bearbeitungszeit (ab Laboreingang):
- 1 Woche (Analytik routinemäßig freitags, Bearbeitung aller Proben mit Probeneingang IKL Freitag 8 Uhr)
Klinische Hinweise Indikationen:
- Bestimmung des Metabolisierer-Genotyps für die Dihydropyrimidindehydrogensase (DPD)
- Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) mit schweren bzw. lebensbedrohlichen Nebenwirkungen können auftreten bei der Therapie mit den Arzneistoffen die 5'-Fluorouracil bzw. den entsprechenden Prodrugs enthalten

Hinweise zur Interpretation:
Fluorouracil-haltige Arzneimittel bzw. entsprechende Prodrugs können bei einem geringen Teil der Patienten zu schweren und teilweise lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führen. Neben anderen Ursachen können diese auch durch einen genetisch bedingten Mangel an Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD) bedingt sein, da dieses Enzym Fluorouracil abbaut. Ca. 9% der Patienten europäischer Herkunft tragen DPD-Genvarianten, die zu einer verminderten Aktivität führen und 0,5% weisen einen vollständigen Mangel auf. Aufgrund dieser Tatsache wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur und diversen medizinischen Fachgesellschaften empfohlen vor der Therapie mit 5-Fluorouracil, Capecitabin (Prodrug) und Tegafur (Prodrug) auf die 4 häufigsten genetischen DPYD-Varianten zu testen. Diese sind:

Varianten mit fehlender Funktion:
- c.1905+1G>A (Exon 14-Skipping Mutation, DPYD*2A, rs3918290)
- c.1679T>G (DPYD*13, rs55886062)

Varianten mit reduzierter Funktion:
- c.2846A>T (rs67376798)
- HapB3-Haplotyp (c.1129-5923C>G, rs75017182; c.1236G>A, rs56038477; beide Varianten sind im vollständigen Kopplungsgleichgewicht)

Anhand des Vorliegens einzelner bzw. kombinierter Varianten kann ein Aktivitätsscore ermittelt werden, der zu entsprechenden Therapieempfehlungen führt. Hierbei werden folgende Scores unterschieden:

2,0: kein Träger einer DPYD-Variante mit verminderter oder fehlender Funktion

1,5: heterozygoter Träger einer DPYD-Variante mit verminderter Funktion (*1/HapB3 oder *1/c.2846A>T)

1,0: heterozygoter Träger einer DPYD-Variante mit fehlender Funktion (1*/*2A bzw. *1/*13)

0,5:
Träger von zwei DPYD-Varianten mit verminderter Funktion (z. B. HapB3 und
c.2846A>T)
oder
Träger einer DPYD-Variante mit reduzierter Funktion und einer Variante mit fehlender
Funktion (Kombination von HapB3 oder c.2846A>T mit *2A oder *13)

0:
Homozygoter Träger einer DPYD-Variante mit fehlender Funktion (*2A/*2A; *13/*13)
oder
Heterozygoter Träger von zwei DPYD-Varianten mit fehlender Funktion (*2A/*13)

Die Festlegung auf einen Aktivitätswert von 0,5 ist nicht ohne Weiteres möglich und erfordert eine zusätzliche Phänotypisierung (bspw. Bestimmung von Uracil im Plasma, Bestimmung der DPD-Aktivität in mononukleären Zellen).

fachliche Ansprechpartner:
- Spezielle Diagnostik/Molekulare Diagnostik, Prof. Poitz 12164
Material EDTA-Blut
Probengefäß EDTA-Monovette
Probenvolumen 2.7 ml
Akkreditierungsstatus akkreditiert
Referenzbereich extrem erniedrigt: 1.0
2,0
Verfahren PCR Schmelzpunktanalyse
letzte Änderung 18.03.2026 14:26