Zellzahl (kernhaltige Zellen) im Ascites-Punktat (GPt/L)

Abnahmevorschrift Letzte Änderung 24/02/2026
Allgemein gilt für alle Körperflüssigkeiten, dass die Bearbeitung innerhalb von 2 Stunden erfolgen
sollte. Dies gilt insbesondere für Zellpräparationen, die für die Differenzierung anzufertigen sind.
Die allgemeinen Entnahmeempfehlungen für Punktate sind:
- Nativ: für klinisch-chemische und serologische Untersuchungen
- EDTA: für die Zählung und Differenzierung von Zellen in Punktaten
voraussichtliche Bearbeitungszeit (ab Laboreingang):
- tagesgleich
Einheit GPt/L
Häufigkeit werktags, normalschichtig
Klinische Hinweise 1) Aszites
Der Aszites ist eine Ansammlung von Flüssigkeit in der freien Bauchhöhle. Normalerweise ist kein Aszites vorhanden. Die häufigsten Ursachen für die Entstehung von Aszites sind Leberzirrhose (ca. 90%) und Karzinose (ca. 10%). Einen Normal-Aszites gibt es nicht, daher wird als Orientierung für Cut-off-Werte der häufigste Fall - die Leberzirrhose- verwendet.

Zusammensetzung der Zellen:
1)Mononukleäre Zellen (MN) >80%
1a) Mesothelien, Makrophagen, Monozyten >70%
1b) Lymphozyten <18%
2)Polymorphkernige Zellen (PMN) < 7% (neutrophile Granulozyten)

Interpretation laut Leukozytenzahl
-Leukozyten <500/µL: am ehesten steriler Aszites bei Leberzirrhose
-Leukozyten >500/µL: am ehesten bakterielle Peritonitis (sicher bei >2.000/µL)

Bemerkungen:
A) Der Cut-off-Wert für die neutrophilen Granulozyten liegt bei 250/µL.
- Befunde mit einer Neutrophilenzahl von ≤250/µL sprechen eher für ein benignes Geschehen
- Befunde mit einer Neutrophilenzahl von ≥250/µL sprechen eher für ein malignes/entzündliches Geschehen
- Eine Zellzahl von >500/µL und eine neutrophile Granulozytenzahl von >250/µL ergeben einen deutlichen Hinweis auf eine bakterielle Peritonitis.

B) Mehr als 10% eosinophile Granulozyten weisen auf allergische oder parasitäre Erkrankungen, Autoimmunerkrankung, Tuberkulose oder Malignome hin.

C) Lymphozytosen kommen gehäuft bei länger bestehenden Stauungsergüssen, bei chronischen Entzündungen, Tuberkulose und Malignomen, sowie bei Peritoneal-Lymphomen vor

D) Tumoren/Metastasen: Nachweis tumorverdächtiger Zellen

E) Erythrozyten: siehe Erythrozyten i.Punktat


2) Pleuraerguss
In der Pleurahöhle befindet sich physiologisch eine klare seröse Flüssigkeit <15 ml. Zu einem Pleuraerguss kommt es, wenn sich vermehrt Flüssigkeit in der Pleurahöhle ansammelt. Die häufigsten Ursachen für die Entstehung eines Pleuraergusses sind Herzinsuffizienz, Malignome, Tumore und Entzündungen.

Interpretation laut Gesamt-Zellzahl
<1.000/µL = Leukozyten (LEUKOZYTEN) + Nicht-Leukozyten (z.B. Mesothelzellen): Transsudate z.B. Dekompensierte Herzinsuffizienz, Hypoalbuminämie, Leberzirrhose, Nephrotisches Syndrom u.a.
>1.000/µL = Leukozyten (LEUKOZYTEN) + Nicht-Leukozyten (z.B. Mesothelzellen): Exsudate z.B. Autoimmunerkrankung, Malignom, Pneumonie u.a.

Interpretation laut Leukozytenzahl
<300/µL : Transsudate (siehe oben)
>500/µL : Exsudate (siehe oben)
Insbesondere Fälle:
>50.000/µL : komplizierter parapneumonischer Erguss oder pankreatiko-pleurale Fistel
>100.000/µL : Pleuraempyem durch Bakterien oder M.tuberculosis


3) Synovialflüssigkeit
Die Untersuchung von Synovialflüssigkeit hat ihre Indikation in der Differenzierung von nicht entzündlichen und entzündlichen Gelenkserkrankungen. Sie ist ein wichtiges direktes diagnostisches Kriterium bei Gicht, Pseudogicht, anderen Kristalldepositionen und der septischen Arthritis.

Interpretation laut Leukozytenzahl
-Im normalen Gelenk: Leukozyten <100/µL (etwa 7% Granulozyten, 24% Lymphozyten, 48% Monozyten, 10% Makrophagen, 4% Synovialdeckzellen)

- Arthrosen: <500/µL
- Aktivierte Arthrosen: 1.000 - 5.000/µL
- Arthritis, Gicht: > 5.000 - 30.000/µL
- Septische Arthritis: >40.000 - 350.000/µL
- bei Trauma zusätzlich RBC > 5.000/µL

Von besonderem Interesse ist der Anteil von PMN an der Gesamtzellzahl. Bei entzündlichen Formen kann er bis zu >70% ansteigen, bei septischen Arthritiden bis zu 95%.

Bemerkungen:
A) Bei hoher Zellzahl, aber niedrigem Prozentsatz an Granulozyten sollte an eine RA im Frühstadium, den SLE, an Rheum. Fieber oder eine Sklerodermie gedacht werden.

B) Nicht entzündliche Ergüsse mit hohem Prozentsatz an PMN können bei Kristall-induzierten Erkrankung vorliegen

C) Anstieg von Eosinophilen wird nach Kontrastmittel- und Luftinjektionen, bei Angioödem, parasitären Erkrankungen, Tumoren und Bestrahlungen gesehen.

D) LE-Zellen (Lupus Erythematosus-Zellen) befinden sich mikroskopisch bei SLE, Reiter-Syndrom und seropositiven RA. Im späteren Verlauf einer RA sind auch Ragozyten nachzuweisen.


4) Dialysat, CAPD

Einige dialysepflichtige Patienten können die kontinuierliche ambulante Bauchfelldialyse (CAPD = Continuous Ambulatory Peritoneal Dialysis) anwenden. Dieses Verfahren ist mit einem Peritonitisrisiko assoziiert.

Die Zusammensetzung der Zellarten ist vergleichbar mit der vom Aszites, da sich die Dialysierlösung im Bauchraum befindet (Mesothelien, Makrophagen, Monozyten, Lymphozyten = mononukleäre Zellen und polymorphnukleäre Zellen (PMN).

Interpretation
Als Cut-off-Werte werden eingesetzt:
Gesamtzellzahl <300/µL
Leukozyten <100/µL (Eosinophile: <10%, Neutrophile <50%)

Befunde mit einer erhöhten Gesamtzellzahl von >300/µL und Leukozyten>100/µL mit >50% an neutrophilen Granulozyten sprechen für eine bakterielle Peritonitis. Ist hingegen der Anteil der eosinophilen Granulozyten >10% bei weniger als 50% an neutrophilen Granulozyten, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine chemische Peritonitis handeln könnte. Leukozyten>1000/µL deuten auf eine bakterielle Peritonitis hin.
Material Ascites-Punktat
Probengefäß EDTA-Monovette
Probenvolumen 2.7 ml
Akkreditierungsstatus akkreditiert
Referenzbereich extrem erhöht: 6.99
< 0,20
Verfahren Elektronische Zählg. bzw. ggf. manuelle Zählg.
letzte Änderung 18.03.2026 16:21